Wieso Papiertüten jetzt scheiße sind!

Plastiktüten verschmutzen die Ozeane, lösen sich nie auf und werden, noch dazu, aus Erdöl gemacht. Papiertüten hingegen sind aus nachwachsenden Rohstoffen, lösen sich quasi auf dem Weg nach Hause auf und landen somit auch nie im Meer. Beschränkt man sich jetzt auf diese drei Punkte, sind Papiertüten eigentlich gar nicht sooo uncool.

Nachwachsende Rohstoffe vs. Erdöl

Papiertüten sind normalerweise aus Papier, welches aus Holz gemacht wurde. Recycelte Fasern sind zu kurz um daraus stabiles Papier zu machen, weshalb sie meistens für Klopapier oder als Stopfmaterial in der Industrie eingesetzt werden. Aber woher kommt dann das Holz für die Tüten? Schwer zu sagen, aber bestimmt nicht aus dem Bio-Sägewerk um die Ecke. Hauptquellen für Holz sind immer noch die Regenwälder Brasiliens und seit einigen Jahren auch die russischen Urwälder, die aufgrund der kalten Temperaturen extrem langsam nachwachsen. Holz einfach als „nachwachsenden Rohstoff“ einzuordnen ist zwar nicht falsch, jedoch ziemlich irreführend, da „nachwachsend“ immer nach „Ok für die Umwelt“ klingt.

„Erdöl“ hingegen klingt genau so dreckig wie es aussieht: Böses Co2 und Abgase! Wörter wie „Chlorbleiche“ oder  „Stick- und Schwefeldioxide“, die bei der Papierherstellung anfallen, erwähnt hingegen kaum jemand im Bezug auf die Papiertüten. Und hier kommt dann auch direkt Fakt Nr 1: Papiertüten brauchen in der Herstellung ungefähr doppelt so viel Energie wie ihr Pendant aus Plastik. Dazu kommt der fehlende Herkunftsnachweis für das Holz und die kürzere Lebensdauer, je nach Wetterlage. Ein weiterer Punkt ist der Transport in den Laden: Papiertüten sind schwerer als Plastiktüten, wodurch beim Transport a) mehr Volumen und b) mehr Gewicht transportiert werden muss.  Experten sind sich daher einig: Wird eine Papiertüte als sogenannte „Einwegtüte“ verwendet, fällt die Klimabilanz um einiges schlechter aus als bei Plastiktüten. Bei solchen Fakten wird jedoch immer von einer ordnungsgemäßen Entsorgung ausgegangen.

Aber die Weltmeere?!

Weltmeere ja, Europas Meere: eher nicht. Auch wenn es natürlich Idioten gibt, die ihren Müll auch hier ins Meer werfen, sind wir in diesem Punkt einmal nicht das Hauptproblem! Durch die tolle Idee Müll einfach zu verbrennen, landen zumindest Plastiktüten hier eher im Kraftwerk als in der Nordsee. Genie und Wahnsinn liegen hier tatsächlich nah beieinander: Plastik herstellen > verkaufen > als Müll einsammeln > verbrennen > Energie dann nochmal verkaufen. Hut ab, so eine geniale Idee muss man erstmal haben.

Zurück zu den Weltmeeren: Die Länder mit dem wirklichen Müllproblem sitzen etwas außerhalb unseres Blickfeldes: Afrika, Asien und Südamerika. Auch hier ist das Problem nicht die Plastiktüte an sich, sondern der Umgang mit den Müllmassen: Flüsse werden als Abwasserkanäle genutzt, Mülldeponien verschieben sich immer öfter in Küstenregionen und effektive Verbrennungsanlagen (mit Filter und Turbine) sind oft noch Fehlanzeige, Recycling meistens ein Gag für Touristen und Hipster. Tausende Plastiktüten (natürlich keine Flaschen, Kanister und Styroporverpackungen) landen als Mikroplastik auf unserem Teller. Warum die Plastiktüte eine Art Sinnbild für die Wegwerfgesellschaft zu sein scheint? Ich weiß es nicht 😀

Die Macht der Siegel

Ob auf Briefen, unter Verträgen oder auf Verpackungen: Siegel sollen Sicherheit geben, im besten Fall eine Garantie für etwas sein. Das europäische Bio-Siegel hat auf Papiertüten natürlich nichts verloren, hier sollte so etwas wie das „FSC“-Siegel zu finden sein. Meistens stellt sich dieses bei genauerem Hinschauen als das „FSC-Mix“ Siegel heraus, also ist sogar nur ein Teil des verwendeten Holzes wirklich zertifiziert. Das „Forest Stewardship Council“ mit Hauptsitz in Bonn ist eine NGO, die aufgrund ihrer Unglaubwürdigkeit seit einigen Jahren in der Kritik steht, jedoch größtenteils ohne die Aufmerksamkeit der „Verbraucher“. Holz aus Raubbau, falsche Zertifizierungen und eine undurchsichtige Bürokratie machen FSC jedoch zu DEM Standartsiegel auf Papier: Es ist billig für die Industrie, sieht dabei aber Nett aus und ist eigentlich jedem bekannt.

Jedes Siegel, ob „Der Blaue Engel“, „FSC“ oder „Rainforest Alliance“ hat seine eigenen Vorgaben und Kriterien. Es gibt nicht DAS Siegel, welches man uneingeschränkt empfehlen kann. Die Aufgabe des Verbrauchers ist es nun also, sich über die einzelnen Siegel zu informieren und beim Einkauf darauf zu achten. Viel Spaß dabei!

Hier findet ihr eine kleine Übersicht der in Deutschland verwendeten Siegel. (Holz/Papier)

Hier noch einige Links für die, die mehr über FSC erfahren wollen:

FSC ist Verbrauchtäuschung! (2016)

FSC Siegel bekommt einen Knacks (2011)

Düstere Aussichten für Waldbesitzer (2016)

Die OhnMacht der Verbraucher

Verbraucher… Ein tolles Wort. Wir verbrauchen die Ressourcen, die uns der Markt bereitstellt. Da wir eine freie Marktwirtschaft sind, können wir durch unsere Nachfrage ca. 50% des Marktes bestimmen. Wenn man uns die Möglichkeit gibt…Meistens hat man als Kunde an der Kasse die Wahl zwischen drei Tüten: Die eine aus Plastik, nicht viel mehr als ein Müllbeutel mit Tragegriffen, die Papiertüte, ein gefaltetes Stück Backpapier das uns immer wieder ermahnt nicht zu viel einzukaufen, oder die reißfeste Tragetasche aus echtem Stoff, stabil wie eine Levi´s Jeans. Eigentlich wissen wir alle, welche die richtige Option ist. Aber eben nur eigentlich. Zwei Euro für ein Stoffbeutel?! Dafür bekomme ich 20 Plastiktüten verdammt nochmal! Oder nehme ich einfach zwei Papiertüten und steck diese ineinander?! Hält das überhaupt?!

Und am Ende nehmen wir, vor lauter Stress, eh die Plastiktüte, vielleicht sogar zwei, damit die erste doch nicht reißt. Zuhause kommen die dann einfach in den Schrank zu den anderen Einkaufstüten, wenn sich da noch ein Plätzchen findet…

Mitnehmen!

Ich habe echt eine Weile überlegt, ob ich jetzt noch schreibe, was die richtige „Alternative“ ist: Nehmt euch einen Rucksack oder einen (bereits gekauften) Stoffbeutel mit zum einkaufen! Wenn ihr spontan einkauft nehmt irgendeinen leeren Karton aus dem Laden mit, die freuen sich doch auch ihren Müll gratis loszuwerden! Win-Win-Win-Situation: Für euch, den Laden UND die Umwelt.

 

Euer Umweltmotzer