Backpacken – Viel Co2, wenig Geld

„The World is a Book, and I will read it“ oder „Eat well, travel often“ sind typische Drohungen der Generation Backpack (Rückenpaket?). Reisen ist für diese Art Menschen längst kein Besichtigen fremder Orte mehr, es ist vielmehr eine Art Selbstverwirklichung, mit einer (oft) totalen Ignoranz gegenüber Andersreisenden. Fremde Orte gäbe es für richtige Backpacker eh nicht, „vielleicht noch nicht da gewesen, aber Fremd?“ klärte mich letztens ein Bekannter auf, ein weiterer Auslöser für diesen Blog… Dazu ist es das Selbstbild der Backpacker: Reisen im Einklang mit der Natur, Urlaub im Mehrbettzimmer anstatt pauschal am Pool, wandern durch die thailändische Wildnis statt Reisebustouren durch den Schwarzwald?  Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht so scheint: Ökologisch betrachtet sind Backpacker ein Horror!

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Die typische Kulisse… Quelle: Johanna Wendel

Immer das/die Gleiche(n)

Typische Länder für Backpacker sind Australien, Neuseeland und gesamt Asien, kurz gesagt: Weit weg! Wanderungen durch Europa, wie es sie eigentlich seit der Antike immer mal wieder gab, bleiben heute fast aus. In meinem Freundeskreis war jedoch fast jeder schon weit außerhalb Europas, manche haben sogar im Ausland gearbeitet. Innerhalb von Europa waren die meisten jedoch kaum unterwegs. Als Kinder Urlaub in Holland oder in Österreich, Neuseeland oder Australien nach dem Abi, in der Uni geht’s dann nach Thailand und Ägypten. Von über 200.000 Schulabgängern im Jahr 2015 machte übrigens nur wenige Tausend ein Freiwilliges Ökologisches Jahr, sei es im Ausland oder hier. Dabei hört man doch immer, unsere Generation (und vor allem die nach uns!) sei so an Umweltschutz interessiert?? Irgendwie scheint das Interesse alleine nicht auszureichen, um die Umwelt zu verbessern…

Umweltkiller Flugzeug

„Die ökologischen Aspekte mal außer Acht gelassen, kann es sich anbieten, zum Zeitsparen einen Inlandsflug zu buchen.“. Mit dieser Tatsache macht Backpacker Stefan auf seinem Blog klar, dass im Backpacker-Urlaub die Umwelt gerne mal  vergessen wird. Hier geht es darum möglichst schnell viel Strecke zu überwinden, unter welchen Umständen auch immer!

Fliegen ist für die Umwelt nicht gerade eine tolle Sache. Bei gleicher Strecke verursacht ein Flugzeug deutlich mehr Co2 als ein Auto. Auch wenn da immer die Zahl der Mitfahrer usw eine große Rolle spielt, Fakt ist: Flugzeuge schaden dem Klima mehr als Autos. Dies liegt zum einen an der Flughöhe: Umso höher, umso dünner die Luft bzw. die Konzentration aller Teile in der Luft. Nicht umsonst haben Triebwerke einen Verdichter… Die Luft wird also verdichtet um das Kerosin ordentlich verbrennen zu können. Das an die Umluft abgegeben Abgas ist aber immer noch „verdichtet“, verschmutzt die Luft also schlimmer, als wenn die gleiche Menge Co2 am Boden abgegeben wird… Ich hoffe ihr könnt mir folgen…

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Quelle: Umweltbundesamt, Broschüre „Daten zum Verkehr. Ausgabe 2012″

Zum anderen liegt das aber auch an den Preisen: War Fliegen früher noch teuer und exotisch, ist es heute manchmal billiger als Bahnfahren und eigentlich das Standartverkehrsmittel für Jedermann. Ein Urlaub fällt aus, weil man sich den Flug nicht leisten kann? Seit Urlaubspiraten und Co. gibt es diese Ausrede nicht mehr! Dann wartet man eben so lange, bis es billig genug ist.

Doch zurück zu den Backpackern: Bei einem Hin- und Rückflug von Köln bis Neuseeland entstehen ungefähr 13 Tonnen Co2. Zum Vergleich: Eine Fahrt nach Malaga im Süden Spaniens dauert ungefähr genauso lang (22h), man verbraucht jedoch nur 390 Kg Co2.

Natürlich ist Spanien nicht Neuseeland, hier warten statt echten Abenteuern und Schafen nur frische Orangen und doofes Wetter, daher versteht man, warum es Backpacker um die ganze Welt treibt, obwohl die „nahe Umgebung“ Europa ja nicht mal annähernd ausgekundschaftet ist…

Mülltrennung in Thailand?

Um es mit den Worten einer Backpackerin zu sagen: „In der Regel hat jeder Backpacker unzählige Plastiktüten in seinem Besitz. Sie sind ja praktisch, da wasserdicht und meist gratis.“

Ja, sehr praktisch, eine wasserfeste Tüte, die noch dazu nichts kostet und mehrere hundert Jahre braucht, um biologisch abgebaut zu werden. Da freut sich jeder Backpacker. In Deutschland werden die schönen Plastiktüten entgegen jeder Logik einfach abgeschafft (Artikel folgt…), auf Reisen geht es dann kaum praktischer. Auch hier profitiert die Umwelt von der Weitsicht der Reisenden: Thailand, Vietnam, die Philippinen und viele andere Länder im asiatischen Raum haben längst ein Müllproblem. Dies liegt natürlich nicht nur an den Touristen, diese tragen jedoch auch dazu bei. Dazu kommt, dass Thailand kein System zur Mülltrennung hat: Plastik wird hier verbrannt, Restmüll in (oft brennenden) Deponien oder auf abgelegenen Inseln gelagert.

Dieses Problem wird von den Urlaubern gekonnt ignoriert, nur hier und da hört man, dass es „eben nicht so sauber und reinlich wie bei uns“ ist. Ob das nun als Beschwerde gilt oder als Seitenhieb an deutsche Spießer, ist schwer rauszuhören. Klar ist nur, wenn im Reisekatalog von „Naturbelassenen Stränden“ die Rede ist, weiß ein echter Backpacker was zu erwarten ist: Müll wegräumen (oder fotografieren) und der dortigen Bevölkerung zeigen, wie weit Schizophrenie und Umweltschutz heute verbunden sind: Anstatt auf den Tauchurlaub (+Flug +dort produzierten Müll) zu verzichten, räumen wir lieber ein paar Säcke Plastik vom dortigen Strand weg. Die kann man dann mit den 6,5 Tonnen Co2 verrechnen, die der Flug nach Hanoi verbraucht hat.

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Schuhe vergessen? Quelle: Umweltmotzer

Europa nostra patria

Good old Europe wird als Reiseziel, gerade bei der jungen Generation, oft unterschätzt: 740 Millionen Einwohner, 50 Länder, über 300 Nationalparks, die Alpen und eine theoretisch unendlich lange Küstenlinie (Fraktale?!) machen Europa eindeutig zu einem umweltfreundliche(re)n Reiseziel. Und Müll an den Stränden haben wir hier auch genug!

 

Euer Umweltmotzer