Aus der Region – Na und?!

 

„Kartoffeln aus der Region“, „Milch von regionalen Erzeugern“ oder „Deutsche Erdbeeren“ findet man um diese Jahreszeit in jedem Discounter. Sind diese Produkte von höherer Qualität als andere? Und sind das ähnliche Produkte wie im Hofladen um die Ecke? Kommen die Produkte denn überhaupt aus „unserer“ Region?

Gehen wir in der Zeit ein kleines bisschen zurück: 2012 gab der umstrittene Großkonzern Nestlé eine Studie mit dem Titel „Das is(s)t Qualität“ heraus. Auch das Thema „Regionalität“ wird hier mehrmals angesprochen:

„Kein Wunder also, dass sich „Regionalität“ als starker Trend im Lebensmittelbereich erweist und als eine Art „Hilfsgröße“ für die Verbraucher fungiert. Hier hat der Verbraucher das Gefühl, „nahe“ an der Herstellung zu sein, regionale Anbieter nachhaltig zu unterstützen und auch Umweltaspekten wie kurzen Transportwegen Rechnung zu tragen.“
„(…) Sieben von zehn Deutschen sehen auch Regionalität als mehrdimensionales Gütekriterium für Lebensmittel.“

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Werbung in Österreich, Quelle: Umweltmotzer
Die traurige Nachricht: sieben von zehn Deutschen sind auf die Regio-Masche reingefallen. Nehmen wir mal kurz an, mein Nachbar baut Äpfel an. Direkt neben meinem Grundstück. Und dadurch bekomme ich auch mit, wie seine Felder aussehen: Unkrautvernichter halten den Boden frei, allerlei Chemikalien töten jeden Schädling (und Nützling) wenn er nur vorbeifliegt und geerntet wird mit billigsten osteuropäischen Lohnsklaven, die in einem Containerhaufen hausen. Würde ich hier mein Obst kaufen, nur weil es um die Ecke produziert wird? Wohl kaum 😀

Doch so sieht die konventionelle Landwirtschaft in Deutschland eben aus: Die Liste der zugelassenen „Pflanzenschutzmittel“ füllt insgesamt 113 Seiten. (Klickt mal auf den Link und sucht mit „Strg+F“ nach dem Wort „Glyphosat“ 😉 )

Übrigens: Nur knapp 7 % der Anbauflächen in Deutschland werden ökologisch bewirtschaftet. Der Rest logischerweise konventionell, heißt mit Kunstdünger und Chemiekeule.

Von Regional zu jwd

Regional bedeutet eben nur eines: Kommt hier aus der Gegend. Und nicht mal das stimmt wirklich: Es gibt für das Wort „Regional“ noch keine Definition in der Landwirtschaft, jeder macht das eigentlich so, wie er will. Besonders unterhaltsam finde ich an dieser Stelle den Werbetext, den Rewe für seine regionalen Produkte geschrieben hat:

„Alles von REWE Regional kommt unmittelbar aus Ihrer Region, von Erzeugern und Herstellern, die man kennt und die hier oft schon lange ansässig sind.“

Wie viele Kilometer sind „unmittelbar“?! Und ist „die kennt man, die gibt’s schon lange“ ein Qualitätsmerkmal?? Am Rand werden noch „ bewährte Anbau- und Lagerungsmethoden“ angesprochen, durch die die regionalen Produkte länger verfügbar sind. Meistens meint man hiermit übrigens ein sogenanntes „Treibhaus“, also genau der Grund, warum man NICHT die holländischen Tomaten einkaufen soll. Klickt man aber beispielsweise auf NRW, bekommt man einen (!) Betrieb angezeigt, der zwei Kilometer vor der holländischen Grenze liegt. Und dieser versorgt dann ganz NRW mit (regionalen) Nahrungsmitteln?! Klickt man danach auf das Rheinland, fällt einem auf, dass diese Bauern sich entweder einen Acker teilen oder die Bilder auch nicht viel bedeuten: Gleiches Bild, gleicher Acker, anderer Text. Die Glaubwürdigkeit lässt zu wünschen übrig 😉

Regional – Nutzlos?

Nein, natürlich ist regionales Gemüse aus dem Treibhaus tatsächlich „besser“ für die Umwelt als importiertes, jedoch NUR aufgrund der Co2-Einsparung beim Transport. Mit ein bisschen Glück ist es sogar frischer, darauf würde ich mich aber nicht verlassen 😀

Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: Regional PLUS Bio. Regional alleine bringt nichts, Bio-Produkte aus dem Ausland haben eine schlechte Co2-Bilanz. Ein toller Ansatz ist übrigens das „Bayerische Biosiegel„: Hier müssen alle Zutaten aus der Region stammen und ökologisch produziert werden. Tatsächlich einer der wenigen Ansätze, die den Verbraucher nicht täuschen wollen…

 

Euer Umweltmotzer