Vorsicht Aquaponik – Die Lüge vom geschlossenen Kreislauf

Aquaponik eine besondere Art der Pflanzenzucht: Fische produzieren Abfälle, mit dem „dreckigen“ Wasser werden Pflanzen gegossen die das Wasser dadurch reinigen, der Kreislauf beginnt im Fischtank von neuem. Klingt mal wieder super, ein geschlossenes, ressourcenschonendes System, bei dem Nahrungsmittel noch dazu auf engem Platz produziert werden können, denn Erde ist dank der perfekten Düngelösung überflüssig, die Wurzeln stehen einfach in Wasser.

Kein Wunder also, dass Aquaponik weltweit boomt: Begonnen hat der Trend in Amerika, in Deutschland wurde er von dem Unternehmen ECF (Efficient City Farming) aufgenommen und zu einem Geschäftsmodell weiterverarbeitet.

Hipp und ökologisch: So wird Aquaponik gerne präsentiert. Video: Youtube/ Spiegel-Tv

Ok direkt zum Anfang: Warum motze ich darüber?! Was stört mich an einem geschlossenen Kreislauf mitten in der Stadt?! ES IST KEINER 😀 Dafür gibt es mehrere Gründe, die man erst nach wochenlanger, extrem Recherche herausfindet:

Was gerne verschwiegen wird

Erstens: Fische und Pflanzen „trinken“ nicht das gleiche Wasser. Pflanzen wollen einen Ph-Wert (Säuregrad des Wassers) zwischen 5,8 und 6,2, bei Fischen geht es ab 6 aufwärts erst richtig los. Pflanzen und Fische im gleichen Wasser zu züchten führt also zwangsweise zur Entscheidung zwischen gesundem Fisch oder Pflanzen, beides gleichzeitig ist nicht möglich.

Zweitens: Fischausscheidungen enthalten eigentlich nur einen Nährstoff, der für Pflanzen interessant ist: Ammonium bzw Ammoniak, das von Bakterien in Nitrat umgewandelt wird. Nitrat ist definitiv ein wichtiger Bestandteil für Pflanzen, jedoch eben nicht Alles: Die restlichen Nährstoffe (Eisen, Phosphor, Magnesium usw.) werden in Form von Mineraldüngern (Siehe Artikel „Bio-Dünger“ ) verabreicht. Toller Nebeneffekt: Durch den Mineraldünger ist das Wasser „vergiftet“ und für die Fische nicht mehr Nutzbar. Durch den erhöhten Salzwert platzen den Fischen die Körperzellen, eine dreckige Angelegenheit, die unweigerlich zum Tod der Fische führt.

Drittens: Tote Fische bringen aber nicht so viel. Um das zu vermeiden wird der Wasserkreislauf von Pflanzen und Fischen getrennt. Das vollgekackte Wasser der Fische wird normal gereinigt, durch spezielle Verfahren wird das Nitrat entzogen und dieses dann dem Wasserkreislauf der Pflanzen zu Verfügung gestellt. Hier wird das Wasser noch mit Mineraldünger abgeschmeckt und von den Pflanzen verbraucht. Geschlossener Kreislauf adé.

Viertens: Hydroponik schmeckt nicht. Ihr kennt doch alle diese Gewächshaus-Tomaten aus Holland? Auch diese bekommen im ganzen Leben keine Erde zu spüren, sondern wachsen entweder in Steinwolle (Die Umwelt lässt grüßen…) oder direkt in der Nährlösung. Dadurch bildet sich eine andere Wurzelstruktur, die Pflanze nimmt mehr Wasser auf und verliert dadurch an Geschmack. Als „Bio“ darf Gemüse aus Hydrokulturen auch nicht bezeichnet werden, beispielsweise aufgrund der Mineraldünger.

Unter diesen Gesichtspunkten würde ich euch jetzt gerne diesen Film hier zeigen:

Mal kurz die Widersprüche:

0:14: „Ohne Düngemittel und Pestizide“ Das zum Thema Düngemittel…glatt gelogen 😀

1:03: Wie ihr ja bereits erfahren habt, ist ein solcher „Kreislauf“ unmöglich. Eigentlich wird hier gezeigt „Würmer werden von Fischen gefressen, aus Fischkacke werden Pflanzen, die Pflanzen werden von Würmern gefressen“. Woher das Wasser kommt wird komplett ignoriert, das einbringen von Kunstdüngern und Fischfutter wird verschwiegen und der Ph-Wert ignoriert.

2:28: Besondere Sorgfalt? Die Blätter mit Spiritus einsprühen? Das zum Thema Pestizide. Warum sollten auch weniger Schädlinge kommen, nur weil teilweise mit Fischpisse gedüngt wird??

Bio-Aquaponik?

Ja, ist möglich. Ist auch ziemlich leicht. Wichtig für Bio ist in erster Linie die Umwelt, also Tiere und Organismen im weitesten Sinne. Diese brauchen Erde, weshalb diese im Bioanbau Pflicht ist. In der Hydroponik wird auf Erde jedoch verzichtet: Kleine Teilchen könnten die Wasserleitungen verstopfen.

Der einfachste „Trick“ ist es also, sich als Bio-Landwirt eine Bio-Fischzuchtanlage auf seinen Hof zu holen, das Wasser durch den Fischtank zu leiten und damit einfach (ungefiltert) seine Felder zu gießen, zusätzlich zu dem sonstigen Dünger. Denn wenn Fischausscheidungen eines sind, dann perfekt Biologisch abbaubar. Dazu eben reich an Nitrat und leicht verdaulich für Regenwürmer. Das Wasser wird somit doppelt genutzt, die Bilanz verbessert sich. Nebenbei hat der Bauer ein „leichtes“ Einkommen durch die Fische. Richtige Aquaponik ist das dann jedoch nicht mehr, da darin immer das Wort „Hydroponik“ enthalten ist, welche hier fehlen würde.

Kurzes Fazit: Aquaponik ist nicht Bio! Und es ist sehr schwer, „echte“ Aquaponik biologisch zu gestalten. Dennoch ist Aquaponik eine gute Möglichkeit, um Wasser zu sparen, beziehungsweise doppelt zu nutzen. Biologisch produziert wird dadurch aber noch lange nicht.

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